Nürnberger Nachrichten, Ausgabe 17.02.2010

Schüler geben Nachhilfe im SMS-Schreiben

Sieben Jugendliche bewähren sich beim Projekt "Jung hilft Alt" - Handysprechstunde und Einkaufsservice

Beim Projekt "Jung hilft Alt" des Mehrgenerationenhauses Nürnberg-Schweinau weihten Schüler Senioren in die Geheimnisse der modernen Technik ein oder unterstützten sie im Haushalt. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden sie jetzt ausgezeichnet.

"Man braucht Geduld, um den älteren Menschen zu erklären, wie eine SMS geschrieben wird", gibt der 15-jährige Ogül Kahya zu. Er hatte zusammen mit einem Freund eine "Handysprechstunde" für Senioren betreut. Das Projekt habe sehr viel Spaß gemacht - Kahya möchte sogar weiter ehrenamtlich beraten, auch wenn das Projekt zunächst abgeschlossen ist.

Der Schüler und seine Mitstreiter bekamen für ihr Engagement ein Zertifikat von Renate Backhaus vom Verein "Wohnen und Integration im Quartier", der das Projekt

zusammen mit dem Nürnberger Leihhaus finanziell unterstützte. "Ihr habt eure Freizeit geopfert und seid freitags nach der Schule ins Mehrgenerationenhaus gekommen oder habt ältere Leute zu Hause besucht", lobte Backhaus.

"Jung hilft Alt" ist ein Pilotprojekt und soll Teenagern Einblicke in das Leben älterer Menschen geben. Wolfgang Neumüller vom Mehrgenerationenhaus marschierte im vergangenen Herbst durch die achten und neunten Klassen der Hauptschule Sankt Leonhard und der Carl-von-Ossietzky-Schule, um für sein Vorhaben zu werben. Fünf junge Mädchen und zwei junge Männer erklärten sich bereit, ein- bis zweimal pro Woche für gut eine Stunde älteren Menschen zu helfen.

Eine von ihnen war die 15-jährige Deniz Þentürk, die nach ihrem Schulabschluss Altenpflegerin werden möchte. Für sie war

die Maßnahme daher eine gute Gelegenheit, um auszuprobieren, ob ihr der Beruf überhaupt Spaß macht. Über Monate hinweg half sie der 89-jährigen Alfrede Steinlein, die allein in ihrer Wohnung in Sündersbühl lebt. Þentürk machte den Abwasch, kaufte im Supermarkt Lebensmittel ein und leistete der Seniorin Gesellschaft. "Sie war mir eine große Hilfe, ihre Besuche haben mir gutgetan", unterstrich Steinlein. "Ich hoffe, ich bekomme wieder jemanden zugeteilt, falls das Projekt fortgesetzt wird", sagt die Seniorin. Ein Wunsch, der durchaus in Erfüllung gehen könnte.

Für das kommende halbe Jahr plant Organisator Neumüller eine Fortsetzung von "Jung hilft Alt", um auch "weiterhin zu zeigen, dass Jugendliche bereit sind, Verantwortung zu übernehmen". mek